Fallstudie: Der kartenlose Microsoft-Geldautomat mit Gesichtserkennung

Personalisierte Angebote am Bankautomat?

Klassische Bankautomaten werden immer seltener benutzt. Mehr als 13 Millionen Deutsche nutzen inzwischen regelmäßig Online-Banking, um Überweisungen, Geldeingänge und Co. zu regeln. Rund 40-mal jährlich besuchen Bankkund:innen im Schnitt die Hausbank, um am Automaten Geld abzuheben, so eine Erhebung der Deutschen Bundesbank. Immer häufiger wird jedoch nicht nur Geld abgehoben. Neben dem Ausdrucken von Überweisungen und der Änderung der PIN — inzwischen reguläre Funktionen an den meisten Bankautomaten — werden beispielsweise Zusatzangebote zu Finanzprodukten genutzt.[1]

Zugunsten der Kundenfreundlichkeit stattet die Frankfurter Sparkasse ihre Automaten aus diesem Grund inzwischen mit einem speziellen Service-Knopf aus. Wird dieser Button gedrückt, setzt sich eine Bankmitarbeiter:in mit der Kund:in in Verbindung und vereinbart ein Gespräch, in welchem das Anliegen der Kund:in beantwortet wird. Ein großer Vorteil der Zusatzfunktionen ist die stärkere Auslastung der Bankautomaten, während der Arbeitsaufwand für die Bankangestellten reduziert wird.[2]

Im nächsten Schritt folgt der Bankautomat 2.0 (bzw. der Geldautomat 2.0). Der Bankautomat dient längst nicht mehr nur der Beschaffung von Bargeld. Moderne Automaten locken mit personalisierten Funktionen und Service-Angeboten, die auf die Kund:innen zugeschnitten sind. Ermöglicht wird dies durch auf künstlicher Intelligenz-basierende Anwendungen. Eine „KI“ erkennt via Gesichtserkennung die Kund:innen und präsentiert ihnen ein individuelles Menü und Optionen, die zu den individuellen Kontobewegungen passen. Mittels historischer und persönlicher Daten der Kontoinhaber:innen erstellt das System die jeweils individuell beste Lösung für die Kund:innen. Das erlaubt die Empfehlung spezifischer Finanzprodukte, etwa Hypotheken, Apps oder Giro- und Kreditkarten. Einem/einer Unternehmer:in kann dann ein zweites Geschäftskonto oder ein erweiterter Kreditrahmen angeboten werden, während Kontoinhaber:innen, deren Kontobewegungen für ein sparsames Verhalten sprechen, individuell zusammengestellte Sparkonten oder Aktien-Sparpläne empfohlen werden könnten.[3]

Kund:innen, die beispielsweise regelmäßig den Kontostand am Automaten abfragen, werden diese Option auf der ersten Seite des Automatenmenüs vorfinden. Für andere Kund:innen, die etwa ihren Dispositionsrahmen ausgeschöpft haben, kann direkt am Automaten ein Termin für eine Kreditberatung vereinbart werden. Ebenso ist es denkbar, dass künftig Kund:innen, die über einen längeren Zeitraum eine bestimmte Summe auf dem Konto haben, ein Beratungsangebot für alternative Anlagemöglichkeiten unterbreitet wird. So können spezifische Angebote vorgestellt und genutzt werden. Damit wird der Geldautomat zu einem wichtigen Touchpoint in der Kundenansprache.[4]

Ein erstes Konzept-Modell von Microsoft gibt bereits einen Ausblick auf den Geldautomat 2.0, den Geldautomaten der Zukunft.

Microsoft und das australische Bankhaus NAB präsentierten kürzlich den ersten Geldautomaten, an dem Kund:innen ohne Kredit- oder Kontokarte Geld abheben können. Mittels Gesichtserkennung und dem Microsoft-Programm Windows Hello sollen Kund:innen auf einen Blick Zugriff auf ihr Konto erhalten und Produktvorschläge und Zusatzangebote erhalten können. Die gesammelten Daten werden auf die Azure Cloud hochgeladen. Die zugehörige Software, die auf den Azure Cognitive Services basiert, identifiziert die Kund:innen sicher und schnell. Dabei ist die kartenlose Identifizierung am Automaten nur der erste Schritt auf dem Weg zu einer neuen Ära von datengetriebenen Automatenkonzepten. Noch ist der kartenlose Geldautomat allerdings nur ein Prototyp. Ob und wann Gesichtserkennung in deutschen Finanzhäusern Einzug erhält, darüber lässt sich zum heutigen Zeitpunkt nur spekulieren.[5]


Beitragsbild: Screenshot NAB (13.07.2021)

[1] Vgl. IT Finanzmagazin (2018)

[2] Vgl. IT Finanzmagazin (2018)

[3] Vgl. IT Finanzmagazin (2018)

[4] Vgl. IT Finanzmagazin (2018)

[5] Vgl. Quandt (2018)


IT Finanzmagazin (2018A): Die neuen Aufgaben für den Geldautomaten: Per Machine Learning sinnvoll Einnahmequellen öffnen. In: IT-Finanzmagazin (10.12.2018), https://www.it-finanzmagazin.de/gaa-machine-learning-einnahmequellen-82104/

Quandt, R. (2018): Microsoft: Kartenloser Geldautomat erkennt Nutzer mit Windows Hello in: WinFuture (24.10.2018), https://winfuture.de/news,105709.html

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